Challenge Roth – Laufen, Leiden, Feiern?

Veröffentlich am: 6. November 2017

In der Kategorie: Triathlon

Verfasser(in): Chris

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Daniel:  Mitte des Jahres 2016 fragte mich Chris, ob ich nicht Lust hätte mit nach Roth zu kommen, um mit ihm dort über die Langdistanz in der Staffel den Marathon zu laufen. Da ich schon sehr viel von diesem Event gehört hatte, allein schon durch Frodo´s Triumph 2016, sagte ich sofort zu.

Als das Rennen immer näher rückte, machte ich mir schon so einige Gedanken. Ein Marathon, 42,195 km, im Hochsommer sind nicht zu vergleichen mit einem Frühjahrs- oder Herbstmarathon, wo man versucht in Bereich seiner PB zu laufen.

Es sei denn, es ist der erste Marathon. Ich hatte ja schon einige in den Beinen und wusste, dass ich gar nicht erst in die Versuchung komme auf Bestzeit anzulaufen. Wir machten uns wenig Druck. Für mich sollte es ein entspannter Marathon werden, was bei in etwa >3:00h bedeutet. Hinzu kam, dass wir im letzten Startblock positioniert waren, was wiederum bedeutete, das ich wenn alles normal läuft am späten Nachmittag auf die Piste ginge. Natürlich kommt es am Ende immer anders, als man denkt, aber dazu später.

Gaaaaaaaaaanz entspannt startete ich mit meiner Familie den Renntag. Ausschlafen und ausgiebig frühstücken. Wann kann man das schon mal vor einem Marathon. Meistens sind die Starts sehr früh und man bekommt nicht viel runter. Doch schließlich sollte mein Tag noch lang werden, länger als ich mir vorgestellt hatte.

Gut aufgetankt und voller Energie ging es am Vormittag los in Richtung Roth. Zwischendurch verfolgte ich über Mika Timing den Liveticker. Chris war bereits gestartet und das mit einer ordentlichen Pace. Thomas hatte beim Schwimmen auch gut vorgelegt. Druck machte ich mir dennoch nicht.

Ich hatte immerzu die Zeit im Kopf wann Chris eintrifft. Es war sehr warm, verdammt warm. Armer Chris dachte ich. Das gab mir zugleich Mut, was ist schon ein Marathon gegen 180 km Radfahren sei. Unglaublich, wer das alles am Stück bewältigt!

Mit allergrößtem Respekt und Beifall verfolgten meine Familie, Chrissi und ich in der Rother Innenstadt die Einzelstarter, welche von der Radstrecke auf die Laufstrecke gingen. Thomas kam auch hinzu und sah voll entspannt aus. Da noch reichlich Zeit blieb, bis Chris eintrifft, legte ich mich in den Schatten auf die Wiese und ruhte mich aus. Als Stärkung gab es zwischendurch noch eine große Salzbrezel und ein Alkoholfreies Hefeweizen. Richtig abschalten konnte ich dennoch nicht. Wir verfolgten immer wieder den Liveticker, um zu verfolgen, wie Chris sich hält.

Und es kam sehr frühzeitig Verwunderung auf. Was geschehen war, konntet ihr bereits in Teil I lesen.

Ich kann nur sagen, wir machten uns sehr große Gedanken. Gingen sämtliche Konstellationen durch. Fragten bei der Orga, bei der Rennleitung. Das Rennen war uns gar nicht mehr so wichtig, viel wichtiger was war mit Chris.

Chrissi kullerten bereits Tränen in den Augen. Sie war, wie wir alle, sehr besorgt.

Mir schossen sämtliche Gedanken durch den Kopf…laufe ich noch oder laufe ich nicht mehr. Wobei die späte Uhrzeit mir zunehmend entgegen kam. Zum einem ging die Mittagssonne weg, damit wurde es etwas kühler und es setzte in der zweiten Rennhälfte leichter Regen ein. Trotzdem blieb es schwülwarm.

Als ich mich bereits entschieden hatte mit Ersatzchip loszulaufen, weil die Rennleitung mir mitteilte, dass Chris nicht mehr im Zeitlimit bleiben würde, kam wirklich in letzter Minute die Nachricht. Chris wird es schaffen!!!

Unglaublich dachte ich!

Chris eine wahre Kämpfernatur, nach dem Motto: no retreat – no surrender, gab alles für die Staffel.

Ich rannte zur Rennleitung und tauschte den Chip wieder um. Was führte ich zuvor für Diskussionen. Wir wären mit dem Ersatzchip nämlich nicht mehr in die Wertung gekommen. Ich hätte lediglich meinen Marathon zu Ende gemacht und wir hätten gemeinsam ins Ziel laufen dürfen. Obwohl ich argumentierte, dass ich die Zeit wieder aufhole. Aber Vorgaben gehören eben zum Reglement. Es ist ja doch noch in letzter Minute alles gut gegangen.

Dennoch wäre ich nicht sauer gewesen, wenn er aufgegeben hätte, die Gesundheit ist am Ende das wichtigste

Ich spurtete voller Euphorie, gesäumt mit Adrenalin durch die Wechselzone. Dabei bog ich sogar vor der Zeitmatte noch falsch ab. Wir hatten dennoch die 5. Schnellste Wechselzeit. Ich wusste, dass ich eigentlich deutlich zu schnell war. Aber es ging bergab und die Zuschauer pushten mich. Dann km 1 Zwischenzeit 3:20min, viel zu schnell. Gang runter geschaltet, immer noch 3:40er Pace, viel zu schnell. Nochmal Gang runter, bleibe entspannter Junge, sonst wird es hinten raus brutal, redete ich mir immer wieder ein.

Wichtig war regelmäßig trinken, denn es herrschten weiterhin hohe Temperaturen und eine relativ hohe Luftfeuchtigkeit. Bei km 5 gab es Iso. Kurze Zeit später grummelte es irgendwie im Bauch. Vom bergauf- und bergablaufen kam es nicht. Kurz nach km 8 hielt ich es dann nicht mehr aus und musste mal kurz aufs stille Örtchen. Die Zeit war ja noch gut und ich konnte es mir leisten, dachte ich mir.

Nach dem ungewollten Toilettengang ging es mir erstmal wieder gut und ich fand meinen Rhythmus und mein Tempo, was dennoch trotzdem nicht leicht war, da die Strecke sehr wellig war.

Er herrschte eine mega gute Stimmung an der Strecke. Der Kurs war gesäumt von hot spots. Dadurch, dass man zwei Runden mit jeweils zwei Wendepunktschleifen lief, kam man immer wieder daran vorbei. Das machte die Strecke auch sehr zuschauerfreundlich und als Läufer bekam man das auch ordentlich zu spüren.

Ich nahm so ziemlich jeden Verpflegungspunkt mit und davon gab es reichlich, so in etwa alle 2 km. Ich griff auch wieder zu dem Iso, ohne mir wirklich bewusst zu sein, dass dadurch wahrscheinlich der ungewollte Toilettengang zu Stande kam. Ich dachte mir, dass es wahrscheinlich wegen der Hitze war. Während des Marathons wusste ich auch noch nicht, was bei Chris die wirkliche Ursache war. Es sollte mir ein ähnliches Schicksal erleiden, nur nicht so stark ausgeprägt, wie bei Chris. Es folgte ein weiterer ungewollter Toilettengang. Zunehmend fühlte ich mich schwächer, das Tempo wurde langsamer, trotzdem noch im Rahmen um knapp über 3 h zu bleiben.

Der Regen nahm etwas zu und auf der Strecke wurde es etwas leerer. Die Stimmung an der Strecke war trotzdem weiterhin richtig gut. Die Helfer und Stimmungsmacher an der Strecke gaben alles. Unglaublich was in Roth für ein Feeling herrscht. Mit wieviel Herzblut alle dabei sind.

Jetzt ging es auf die letzte Schleife, km 25 und mir ging es körperlich wirklich nicht mehr gut. Aber es ging mir auch schon mal schlechter.

Nochmal ging es durch die Rother Innenstadt. Nur noch einmal nach Büchenbach zur letzten Wende. In der Rother Innenstadt stand bei km 30 meine Familie und feuerte mich an. Und obwohl es mittlerweile stärker regnete, warteten sie. Das gab mir nochmal die Kraft für die letzten, jedoch härtesten Kilometer. Bei km 35 kam ein weiterer Toilettengang hinzu. Das Tempo wurde immer langsamer, der Schritt immer schwerer.

Nun war es nicht mehr weit. Als ich dem Ziel immer näher kam, wurde es immer lauter. Und auf einmal lief Thomas neben mir und überreichte mir das Flitzpiepen Singlet, für den Zieleinlauf in die Arena. Chris kam jetzt auch und wir waren komplett. Unsere Mädels warteten unter tobenden Applaus kurz vor der Finish-Arena.

Und jetzt, ja jetzt wurde es gigantisch. Wahnsinn! Dachte ich, was für ein geiler Zieleinlauf. Über den roten Teppich flitzten wir, wie es sich für eine Flitzpiepe gehört, durch die tobende Arena und ließen unseren Emotionen freien Lauf. All der Schmerz, all das Leid waren wie weggeblasen.

Wir hatten es dennoch geschafft, wenn auch anders als erhofft. Die Freude war riesengroß, so wie das Finisherbuffett. Unmittelbar nach dem Marathon hat man eigentlich kaum Appetit, aber im Laufe des Abends konnte man sich dort immer wieder bedienen. Es gab alles, was das Sportlerherz begehrt.

Doch das sollte noch längst nicht alles sein. Die Finisherparty in der Zieleinlauf-Arena war unglaublich. Gänsehaut pur! Eine phänomenale Stimmung!

In dem Moment hatten wir überlegt, warum wir nicht noch später ins Ziel eingelaufen wären. Die Stimmung für die Finisher zu diesem Zeitpunkt war unübertrefflich. Ich hätte mir beim Marathon einfach mehr Zeit nehmen sollen.

Wir genossen noch bis in die Nachtstunden die Stimmung vor Ort.

Mein Resümee: In Roth muss man gewesen sein! Die Challenge Roth, jederzeit wieder

Chris: Nach ca 1,5 h war ich wieder halbwegs ansprechbar, geduscht und machte mich mit meiner Familie auf zum Ziel. Ich hätte Daniel so gerne noch auf dem Rundkurs angefeuert, aber wie ihr ja in meinem “Leidensbericht” lesen konntet, war ich froh mich überhaupt bewegen zu können.
Thomas, unser Schwimmer nahm mich trotzdem vorsichtshalber mit zum Sanitäter. Hier war ganz schön was los. Ich hatte die Wahl ob ich intravenös ein bisschen was zum “Aufputschen” haben möchte und mich dort 1-2h hinlegen will
oder : ICH NEHME ODER!

Cola und Apfelsaft Flatrate 😀

Nach 20 min durfte ich auch wieder raus, hier gab es wesentlich schlimmere Fälle als mich.
Wir ruhten uns noch ein paar Mnuten aus, checkten den Liveticker und Daniel der ja bis dato auf dem guten Sub3 Kurs beim Laufen war, wurde immer langsamer. Teils aktualisierte der Ticker gar nicht, weil alle Staffelläufer am letzten Bogen standen und checkten wann endlich der Läufer kommt.
Anita und Sandra standen auch in der Kurve zum Ziel, mit einem weissen Fahrrad. Dieses haben Sie extra zum Gedenken an unsere Asics Frontrunner Teamkollegin Julia Viellehner (leider beim Training in Italien tödlich verunglückt) organisiert und die Challenge Roth war so lieb und genehmigte dieses sogar! Ganz tolle Geste! (und ich bekomme immer noch Gänsehaut, wenn ich dran denke)

Wir warteten weiter auf Daniel, die Zielzeit von 3h war längst vorbei und nach den Sorgen um mich, begannen wir uns jetzt um Daniel zu sorgen. Ist er noch im Rennen? Der Ticker aktualisierte mittlerweile gar nicht mehr. Hab ich mich jetzt umsonst so durchgequält?
Über 30min später kam Daniel denn doch. Er sah wirklich nicht gut aus. Das es ihm fast genauso Mies ging wie mir, war schon seltsam.

Egal wir liefen wie es sich gehört zu dritt Hand in Hand (Hahnermässig könnte man sagen) ins Stadion ein. Boar war das GEIL ! Das ganze Stadion prall gefüllt mit Menschen. Alle jubelten und die Musik boomte bis ins Mark. Am liebsten wäre ich hier in Zeitlupe durch und raus und nochmal rein…. Unbeschreiblich. Wir haben es tatsächlich geschafft!

In diesem Moment war die Zielzeit so unwichtig. Hauptsache wir waren alle im Ziel (Gesund und Munter hab ich bewusst mal weggelassen). Daniel sah ähnlich fertig aus, wie ich nach dem Radfahren.
Die Medaille um den Hals, war ähnlich schwer, wie der Kampf den sie uns bereitet hat.

Wir machten uns etwas frisch und beschlossen bis zum Dunkel werden auf der Expo und im Stadion zu verweilen. Nach und nach kamen immer mehr Finisher zu uns, die wir auch kannten und alle tauschten ihre Erlebnisse aus. Es wurde langsam dunkel und was vorher schon großartig war, wurde jetzt wahnsinnig geil!

Die Feuer und Knicklichter erleuchteten das Stadion. JEDER wurde hier wie der Gewinner gefeiert!
Das wäre nochmal ein Grund das zu machen. Als Einzelstarter in ca 16h hast du die Chance da reinzulaufen. Der letzte gewertete Läufer erhielt eine Fackel und durfte sich noch mehr Feiern lassen, als der Sieger. Alle entzündeten ihre Wunderkerzen und es sah einfach toll aus.

Gefolgt von einem Höhenfeuerwerk standen wir da und genossen jede Sekunde. Ein kleines Tränchen kullerte noch unbemerkt von den anderen über die Wange.
Trotz all der Strapazen war ich stolz und vor allem erleichtert das dieses Kapitel zu ende war, wenn auch weit weg von dem was man hätte reissen können.
Manchmal ist der Weg das Ziel!

marathon-photos.com

Last, but not least:
Ich muss mich noch bedanken…
Zu erst bei meinem Team und unseren Familien, die heute einen Mammuttag hatten! Dann bei meinem Team Flitzpiepen zuhause! Unser interner Ticker lief auch heiss! Danke Tim für die Hilfe den Startplatz überhaupt zu bekommen! Und die vielen aufmunternden Kommentare und Gespräche danach…. sowie Sidney fürs Hotel 😉

und nicht zuvergessen bei unseren Sponsorenteams ! Für mich da ganz wichtig sowohl GripGrab, als auch ASICS danke zu sagen, auch wenn ich heute nur ein “bisschen” Rad gefahren bin! Im Namen von Thomas natürlich auch danke an Zoot !

und Danke das ihr euch ….

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