Das Flitzpiepen Rennrad 1×1

Veröffentlich am: 17. Juni 2017

In der Kategorie: Radfahren

Verfasser(in): Miri

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Der Frühling ist da. Das Wetter macht Lust auf radeln – schnelles radeln 😊

Die Idee mit dem Rennradfahren anzufangen geistert schon länger durch meinen Kopf. Aber worauf muss ich achten? Wie beginne ich am besten? Was für ein Glück, dass unter den Flitzpiepen so manche Rennradcracks sind. Ich nehme Felix und Steve ins Kreuzverhör.
Felix ist unser Langstreckenfahrer und ist im letzten Jahr „Rad am Ring“ gefahren (23:49:47 /18 Runden/475km/10400 HM).
Steve ist unser Triathlet und hat Bestzeiten über die Sprint-, Olympische- und Mitteldistanz aufgestellt.

1.       Material

Worauf muss ich beim Kauf eines Einsteigerrennrads achten?

Steve: Ich habe mir erst einmal ein gebrauchtes Rad, entsprechend meiner Größe, für einen schmalen Taler zugelegt und bin dies ein gutes halbes Jahr gefahren. Damit hab ich probiert, ob ich diese sportliche Sitzposition überhaupt etwas für mich ist. Danach bin ich erst los und hab mir ein ordentliches Rad zugelegt.

Felix: Dass es passt und du dich darauf wohl fühlst. Eine ausführliche Probefahrt ist daher Pflicht.

Die richtige Größe sollte dir dein Radhändler aussuchen können. Wenn ihn schon das überfordert, suchst du am besten den Ausgang auf. Als grobe Bestimmung der Rahmengröße wird ja ganz gerne die Schrittlänge herangezogen: Schrittlänge x 0,665 = Rahmenhöhe. Das kann dann passen, muss es aber nicht. Die Sitzhöhe lässt sich schließlich über den Sattelauszug variieren. Ist der Rahmen jedoch ungewöhnlich kurz oder lang, sitzt man dann trotz  “passender” Rahmenhöhe zu gestaucht oder gestreckt auf dem Rad.

Was das Material angeht, ist das eine verdammt komplexe Frage, deren allgemeine Beantwortung hier den Rahmen sprengen würden. Glücklicherweise ähneln sich die typischen Einsteigerrennräder namenhafter Hersteller in ihrer Ausstattung so sehr, dass man sie ohne Rahmenaufkleber wohl eh nicht unterscheiden könnte. Ich würde jedenfalls einfach empfehlen jemanden mitzunehmen, der sich auskennt oder aber sich vom Händler beraten zu lassen und vor Kauf nochmal auf die geballte Wissenskraft deiner Flitzpiepen zurückzugreifen um mögliche Schwachstellen aufzudecken.

 

Für welchen Einsatz sind die verschiedenen Übersetzungen gedacht? Und woran erkenne ich die Übersetzung eines Rennrads?

Felix: Die Anwort auf die erste Frage ist so genauso blöd wie offensichtlich. Die unterschiedlichen Übersetzungen sind für unterschiedliche Geschwindigkeiten gemacht – bei akzeptablen Trittfrequenzen ist ein Bereich von 10 bis 70km/h abgedeckt.

Eine große Auswahl wirst du bei der Übersetzung eh nicht haben, da die typischen Einsteigerrennräder alle mit einer Kompaktkurbel daherkommen. Sie haben vorne ein kleines Kettenblatt mit 34 Zähnen und ein großes mit 50 Zähnen. Hinten kann es beim Ritzelpaket Unterschiede geben. Für Rennräder sind inzwischen Ritzel mit bis zu 32 Zähnen erhältlich. Das mag im Gebirge Sinn machen, für uns Flachländer ist es aber unnötig, ja sogar nachteilig, da dadurch die enge Gangabstufung verloren geht.

 

Was für eine Schaltung empfehlt Ihr?

 Steve: aus meiner Sicht hat jeder so seine Favoritenfirma. Mir persönlich ist es völlig egal Hauptsache die Gänge legen sich vernünftig ein. 🙂

Wie stelle ich den Sattel richtig ein?

  1. Waagerecht, damit du darauf nicht vor und zurückrutschst.
  2. So hoch, dass deine Beine nie voll gestreckt sind. Als groben Anhaltspunkt kann man die Hacken aufs Pedal stellen und rückwärts Kurbel. Rutschst du auf dem Sattel seitlich hin und her oder heben sogar die Hacken vom Pedal ab, sitzt du zu hoch.
  3. Den Sattel soweit nach hinten, dass dein Kniegelenk im Lot nicht über die vordere Pedalachse bei waagerechter Kurbelstellung hinausragt.

 

Als groben Richtwert kann man das so nehmen. Prinzipiell kann das was sich richtig anfühlt, nicht so verkehrt sein. Da aber auch dieses Thema sehr komplex ist, gibt es sogar Spezialisten die einen auf dem Rad zurechtrücken, sodass dann auch die letzten versteckten Leistungsreserven genutzt werden können. Chris war diesbezüglich ja beim Bike-Fitting, ich bei einer Rad-Biometrie.

Wie ist Eure Meinung zu Klickpedalen?

Felix: Beim ersten Mal kippt jeder um.

Jahrzehntelang war man es gewohnt beim Anhalten einfach den Fuss vom Pedal zu nehmen. Dass dieser sehr simple Vorgang, über den man wohl nie nachgedacht hat, nun praktisch neu angelernt werden muss, erfährt man schlimmstenfalls auf die harte Tour. Nach kurzer Zeit geht das Ausklicken dann aber in Fleisch und Blut über.

Davon mal abgesehen kann ich Klickpedalen eigentlich nur empfehlen. Die feste Verbindung von Ross zu Reiter hat zwei wesentliche Vorteile. Einerseits erhöht es die Sicherheit, da ein Abrutschen vom Pedal nahezu ausgeschlossen ist, andererseits ermöglicht es zumindest theoretisch auch eine völlig neue Dimension der Kraftentfaltung. Man tritt nicht mehr nur noch das Pedal nach unten, sondern kann es auf  auf einer Kreisbahn führen. Experten sprechen hier vom “runden Tritt”. Besonders am Berg oder beim harten Antritt kann man diese Möglichkeit bestens ausspielen.

 

2.       Training

 Wie sieht ein Einsteigertrainingsplan aus? Neben Laufen und dem Alltagswahnsinn möchte ich ein – bis zwei Mal in der Woche aufs Rennrad steigen. Habt Ihr Tipps zur Distanz, Geschwindigkeit oder sonstiger Trainingsgestaltung?

Felix: Einfach machen!

Besonders als Anfänger, sollte man sich da wohl keine großen Gedanken machen, sondern einfach fahren solange und so schnell man Lust hat. Gewöhne dich erstmal an das Rad und spiele deinen Bewegungsapparat locker auf die neue Belastung ein.

Analog dazu würde man einem Laufanfänger ja auch nicht einen Trainingsplan mit Läufen über 3 Stunden oder knallharten Intervallen nahe der “Kotzgrenze” schreiben.

Wenn es dich juckt, dann lass dich aber auch nicht davon abhalten, es auch mal ordentlich krachen zu lassen. Gelegenheiten dazu finden sich garantiert bei jeder Ausfahrt. Da wird dann schnell mal ein kurzer Anstieg zur Bergwertung, die Dorfjugend auf Motorrollern zum Freiwild oder das nächste Ortseingangsschild zur imaginären Ziellinie.

 

Meine TomTom Sparks misst die Dauer, Geschwindigkeit, Pulsbereich und das Tempo der gesamten Fahrt. Für den Indooreinsatz habe ich einen Kadenzmesser. Was genau die Kadenz?

Felix: Kadenz = Trittfrequenz.

 

Im Bezug aufs Rennradfahren höre ich immer wieder Trittfrequenzwerte. Wie berechnet sich die? Und welche Aussage hat der Wert?

Felix: Die Trittfrequenz wird nicht berechnet, sondern gemessen – typischerweise in Kurbelumdrehungen pro Minute. Als grober Richtwert wird oft 90-100 U/min angegeben. Um so langsamer man tritt, umso mehr muss die benötigte Leistung aus der Kraft geholt werden. Das ist auf Dauer nicht nur unnötig anstrengend, wirklich schonend für die Gelenke ist es auch nicht. Die 90-100 U/min würde ich so auch unterschreiben, das fühlt sich locker und rund an.

 

In welchem Pulsbereich sollte ich trainieren?

Felix: Siehe Einsteigertrainingsplan – Mach dir keinen Kopf, das ergibt sich von selbst.

 

3.       Ausfahrten

Habt Ihr Tipps für schöne Rennradstrecken?

Felix: Da fällt mir als erstes der Grunewaldrundkurs über Havelchaussee-Postfenn-Kronprinzessinenweg ein.

Die Strecke ist zwar sehr profiliert, aber dadurch auch sehr abwechslungsreich. Die Anstiege bieten praktisch schon genug Abwechslung und Trainingsanreize, sodass sich deine ursprüngliche Frage nach einem Trainingsplan eigentlich schon erledigt hat. Ansonsten ist die Strecke auch in Bezug auf sonstigen Verkehr sehr schön zu fahren, da die Krone für Kraftverkehr gesperrt ist und alle anderen Abschnitte auf 30km/h begrenzt sind. Rennradfahrer sind da eh in der Überzahl. Wenn du dich doch mal zu sehr verausgabt hast, sitzt du in kürzester Zeit in der nächsten S-Bahn. Wenn dein Wasser ausgeht, findest du vor der Kirche in der Teufelschaussee einen Trinkbrunnen.

Ansonsten kann man die Streckenfindung ja auch als willkommenen Anlass nehmen, das Umland zu erkunden. Wenn dir bestimmte Abschnitte nicht zusagen, probierst du halt beim nächsten Mal eine Alternativstrecke.

 

Welches Radrennen könnt Ihr einer blutigen Anfängerin empfehlen?

Felix: Na ganz klar – gar keins!

Bei einem Radrennen kann es sehr eng werden. Da wird dann zum Ausnutzen des Windschattens gerne mal mit nur 20cm Abstand nach vorne und hinten gefahren. Links und rechts kann man sich dann praktisch auch beim Nebenmann anlehnen. Sowas muss in Ruhe geübt werden, sonst liegen schlimmstenfalls nicht nur die Nerven blank, sondern du selbst.

Als Alternative könnte man das Radtourenfahren (RTF) in Betracht ziehen. Hierbei werden ohne Wettkampfcharakter Check- und Verpflegungspunkte abgefahren. Im Rahmen des Spreewaldmarathons werden beispielsweise Strecken zwischen 20 und 200km angeboten.

Mir persönlich gefallen ja die Radrennen am besten, bei denen man erstmal zum Rad schwimmt und danach noch ein bisschen ausläuft… Wie hieß das noch gleich….

 

Jetzt weiß ich in der Theorie ganz gut Bescheid.

Wann drehen wir gemeinsam eine Runde?

Steve: immer Fragen wann du Lust und Laune hast. Es findet sich immer ein Termin wo man eben mal nur eine halbe Stunde oder gar eine Tour über mehrere Stunden abradeln kann.

 

 

 

 

 

 

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