Radbiometrie im Sensomotorik Zentrum Berlin

Veröffentlich am: 10. Januar 2017

In der Kategorie: Radfahren, Testberichte_Technik

Verfasser(in): Felix

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Klassisches Bikefitting haben wir euch ja schon mal vorgestellt. Dass man dem ganzen mit noch mehr technischen Hilfsmitteln sogar noch eine Schippe drauflegen kann, davon wollte uns das Sensomotorik Zentrum Berlin überzeugen und lud uns zu einer Radbiometrie ein.

Ich wollte nur zu gerne herausfinden, worin der Unterschied zum klassischen Bikefitting liegt und spielte das Versuchskaninchen. Der Zeitpunkt hätte auch nicht besser sein können, da ich mir passenderweise kurz zuvor ein Zeitfahrrad zulegte, jedoch mit der Sitzposition immer noch herum experimentierte und noch nicht vollends zufrieden war.

Vor Ort wird das Rad auf der Trainingsrolle eingespannt. Doch bevor man sich rauf schwingen darf und geprüft wird, was denn mit dem Rad nicht stimmt, wird erst mal geschaut, welche Probleme der Fahrer an sich schon mitbringt. Stephan vom Sensomotorik Zentrum Berlin ist Diplomsportwissenschaftler und hat beim medizinischen Check einen geübten Blick für mangelhafte Körperhaltung, Fehlstellung und unsaubere Bewegungsabläufe.

 

Bis hier ist also alles noch wie beim dem klassischen Bikefitting, welches Chris ausprobiert hatte. Auch bei mir wurde mangelnde Beweglichkeit angeprangert. Außerdem skurril: mein linker Oberschenkel sei wohl „sichtbar kräftiger“ als der rechte. Inwiefern beide Punkte eine Rolle spielen, werden wir später noch sehen.

 

Die Radbiometrie hebt sich durch zwei wesentliche Bestandteile hervor. Die Videoanalyse auf dem Rad und Druckmessungen in den Schuhen und auf dem Sattel.

Die Videoanalyse erweitert und vertieft nochmals den medizinischen Check. Bild für Bild kann jetzt nach Auffälligkeiten im Bewegungsablauf gesucht werden. Sind beispielsweise die Füße verdreht? Laufen die Knie in je einer Linie auf und ab?

Ganz schön ist hier, dass man Probleme selbst auch mal vor Augen hat, die man sonst nie wahrgenommen hätte. Ich selbst war der Meinung, von einer unbequemen Aeroposition mal abgesehen, überhaupt keine Probleme zu haben. Umso mehr schockierte dann die Videoaufzeichnung und offenbarte, dass doch nicht alles in Butter ist.

Sichtbar ist hier die Schiefstellung der Hüfte (siehe blaue Punkte) und wie ich mit dem Oberkörper schräg in den Armen hänge (siehe rechtes Schulterblatt). Und weil das ganze noch nicht schlimm genug ist, dreht mein rechtes Knie beim kurbeln auch noch raus.

Die Druckmessungen erfolgten mit Sensorfolien, die in die Schuhe eingelegt und über den Sattel gespannt werden.

Fangen wir unten an. Die Messungen in den Schuhen zeigen nicht nur lokale Druckspitzen, die u.a. auf falsch sitzende Pedalplatten hinweisen können, sondern liefern auch einen genauen Verlauf der aufgewandten Kräfte rechts und links über mehrere Kurbelumdrehungen. Wie sowas aussieht, können wir uns an meinem Messprotokoll ansehen.

 

Das Balkendiagramm ganz oben dokumentiert die Kontaktzeiten (wie lange stehe ich auf dem Pedal) und das leider schwer sichtbare Liniendiagramm darunter gibt die Krafteinflüsse rechts und links wieder. Allzu sehr ins Detail gehen muss man jetzt hier nicht, das Wichtigste ist eh in der Tabelle angekreuzt. Während einer Kurbelumdrehung stehe ich mit dem linken Bein nicht nur länger auf dem Pedal, sondern wende dabei auch noch wesentlich mehr Kraft auf.

Stephan sollte recht behalten, der anfangs als „sichtbar kräftiger“ deklarierte Oberschenkel, erbringt tatsächlich wesentlich mehr Leistung. Woran das liegen kann und wie wir das versteckte Potential im schwachen Bein wecken wollen, dazu später mehr.

Die Messungen am Sattel waren nicht weniger aufschlussreich. Sie wurden sowohl in Aeroposition als auch am Basislenker vorgenommen, wobei ich jetzt exemplarisch nur auf die Aeroposition eingehen möchte, da ich mit dieser ja noch nicht zufrieden war. Allzu lange konnte ich darin nie verbleiben ohne dass der Sattel irgendwann schmerzhaft drückte.

Kein Wunder. Ich saß schließlich größtenteils mit dem Schambein auf der Sattelnase. Mein Körpergewicht lastete also auf einer äußerst geringen Fläche. Die Druckspitzen waren entsprechend groß (Werte im Diagramm in N/cm²). Erschwerend kam noch die Schiefstellung der Hüfte und somit asymmetrische Belastung hinzu.

Jetzt war Stephan an der Reihe und verrichtete mit Erfahrung und Zauberhand sein Werk. Lenkeraufsätze und Sattel wurden verschoben, die Pedalplatten justiert und zwischendurch immer wieder der Bewegungsablauf kontrolliert. Das Ziel war klar: ich sollte meine Kraft bestmöglich auf die Pedale bringen und dabei noch bequem sitzen können.

Eine 25 prozentige Verringerung der Druckspitzen konnte sich zwar durchaus sehen lassen, das Ende der Fahnenstange war damit aber noch lange nicht erreicht. Abschließend wird noch die Körperhaltung auf dem Rad korrigiert. Die Beugung des Oberkörpers solle ich doch bitte aus dem unteren Rücken holen und nicht schon mit dem Becken nach vorne kippen. Leicht fällt das zwar nicht, da hier meine anfangs festgestellte Unbeweglichkeit limitiert, ein Unterschied wie Tag und Nacht ist es trotzdem.



Was war denn jetzt noch mit dem schwächeren Bein und dem rausdrehenden Knie?

Stephan vermutete, dass das Bein wegen mangelnder Beweglichkeit in der Hüfte und dessen Schrägstellung einfach nicht genug Platz hatte und deshalb nach außen auswich. Komplett gerade ausgerichtet waren die Pedalplatten auch nicht. Dass das Bein weniger Kraft aufbringt, weil das Knie nicht direkt über dem Pedal steht, ist dann auch klar. Des weiteren sei es möglich, dass die Blutzufuhr zum Bein behindert (abgedrückt) wurde.
Auf das Knie werde ich verstärkt achten müssen, auch wenn die Sitzoptimierung das Problem schon leicht entschärft hat. Zur Verbesserung meiner Beweglichkeit wurden mir Dehnungsübung verordnet.


Was kostet das Ganze und wie lange dauert es?

Die Kosten belaufen sich auf 169€. Das ganze ist für 90-120min angesetzt und dauerte bei uns die vollen 2 Stunden.

Machen sich die Veränderung denn beim Fahren bemerkbar?

Oh ja! Deutlich!
Nicht nur dass ich wesentlich bequemer auf dem Sattel sitze und so durchgehend in der windschnittigen Aeroposition fahren kann, gefühlt kriege ich die Kraft auch noch deutlich besser aufs Pedal und kann höhere Geschwindigkeiten müheloser halten.

An dieser Stelle würde ich euch am liebsten harte Fakten an den Kopf werfen und Trainingsintervalle mit gefahrenen Geschwindigkeiten vor und nach der Radbiometrie gegenüberstellen. Als wenn das bei wechselnden Tagesformen nicht schon eh schwierig genug wäre, war das Rad zu dem Zeitpunkt aber blöderweise auch noch so neu, dass es vorher überhaupt nur ein einziges Mal mit dem Messer zwischen den Zähnen bewegt wurde: 39km beim Storkow Triathlon. Meine Durchschnittsgeschwindigkeitsschnitt lag dort bei 38,0km/h.

Nach der Biometrie startete ich noch beim BerlinMan und hatte dort nach 45km zwar nur durchschnittlich 37,5km/h auf dem Tacho und war somit langsamer, jedoch sollte man bedenken, dass die Strecke beim BerlinMan nicht nur deutlich hügeliger ist, sondern dass man auch noch bis Kilometer 90 durchradeln und danach doppelt so lange laufen muss.

Beim BerlinMan fuhr ich also entsprechend kraftsparend, während in Storkow so verbissen gefahren wurde, als wäre ein Triathlon bereits in der zweiten Wechselzone beendet.

Als unumstößlichen Beleg für den objektiven Nutzen der Radbiometrie bzgl. des Renntempos möchte ich das zwar nicht darstellen, gefühlt hat die Biometrie aber trotzdem eine ganze Menge gebracht. Ich war auf der anspruchsvolleren Strecke deutlich entspannter unterwegs und der Geschwindigkeitsunterschied war trotzdem nur minimal.

Ich bin echt froh und dankbar das gemacht zu haben. Nicht nur, dass mir das Rad jetzt besser passt, ich entsprechend bequem drauf sitzen und es trotzdem krachen lassen kann. Zum Glück wurde auch noch erkannt, dass ich drauf und dran war mir mein Knie abzuschießen, was sicher über kurz oder lang dazu geführt hätte.

Danke Sensomotorik Berlin für die perfekte Beratung und Einstellung!

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3 Kommentare zu Radbiometrie im Sensomotorik Zentrum Berlin

  1. […] Wir alle wissen, wie wichtig es ist, richtig auf dem Rad zu sitzen. Felix von den Flitz-Piepen läßt sich das Rad biometrisch einstellen. […]

  2. Hört sich auch nach einer sehr guten Beratung und Durchführung an. Da kann ja die Radsportsaison kommen. Ich glaube, wenn mal endlich Zeit ist, ist für mich so etwas auch mal wieder dran. Über die letzten zwei Jahre hat sich ganz bestimmt etwas verändert und kann optimiert werden.

    • Olli sagt:

      Hey Din, dann solltest du bald mal wieder eine Einstellung wagen. Der Teufel steckt ja bekanntlich im Detail. War heute mit meinem Crosser dort und war überrascht was Stefan für Nuancen gefunden hat. Sehr zu empfehlen, alleine der Gesundheit wegen.

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