Why I run Tel Aviv oder einmal Odyssee und zurück…

Veröffentlich am: 10. März 2017

In der Kategorie: Laufen

Verfasser(in): Sarah

Schlagworte: , , , , , , ,

Auf die Idee zum Marathon am 24.2.2017 nach Israel zu fliegen, kam ich im Oktober 2016 auf Empfehlung eines Lauffreundes. Ich war vorher noch nie im Heiligen Land und fand die Idee klasse. Allerdings sollte in meinem Fall aus dem Marathon von vornherein ein Halbmarathon werden.

Gesagt, getan!

Ich setzte mir mein persönliches Ziel von unter 1:59 Stunden und hielt mich an einen 6-wöchigen intensiven Trainingsplan, den ich am letzten Tag vor unserer Reise nach Tel Aviv zufrieden abschloss. Mit 4 weiteren Freunden im Gepäck ging es in der Nacht zum Donnerstag, einen Tag vor dem Lauf, nach Tel Aviv.

Früh morgens angekommen blieben uns noch einige Stunden Zeit, bis wir unsere Startunterlagen abholen und unser Appartement beziehen konnten. So fuhren wir mit unserem Mietwagen direkt weiter nach Jerusalem.

Wow, wirklich beeindruckend! Wer schon einmal dort war, kann dieses Gefühl sicher bestätigen! Die Stadt erscheint in einem außergewöhnlichen Glanz einer jahrtausendealten, geschichtsträchtigen und bedeutenden Stadt. Wir besuchten selbstverständlich die Klagemauer, den Tempelberg, den riesigen Mehane Yehuda Markt und die Grabeskirche, dem Ort der Kreuzigung Jesu.

 

Im Nachklang der tollen Atmosphäre kehrten wir mittags nach Tel Aviv zurück, um am Rabin Square unsere Startunterlagen abzuholen. Die Organisation des Marathons erschien professionell und es gab tolle Goodies im Starterkit, darunter eine Adidas Trinkflasche, einen Stoffsportbeutel und ein Funktionsshirt.

 

Auch der erste Eindruck von Tel Aviv selbst war äußerst positiv. Natürlich darf man die politisch angespannte Lage hier nicht unterschätzen, aber die Stadt entpuppte sich als jung, modern und vor allem sportlich. An jeder Ecke gab es gesunde Snacks in angesagten Bistros und Cafés und an der Strandpromenade reihen sich mehrere Outdoor Gyms und Sportschwimmbäder aneinander.

 

Den restlichen Tag verbrachten wir am Strand bei angenehmen 20 Grad. An Schlaf war noch nicht zu denken, es war alles viel zu aufregend.

Da unser Startschuss zum Halbmarathon, dem ersten Wettbewerb des Tages, um 6.30 Uhr Ortszeit fallen sollte, gIng es für uns endlich nach 30 Stunden ohne Schlaf ins Bett.

Die Odyssee begann…

Um 4.45 Uhr (wohlgemerkt 3.45 Uhr deutscher Zeit) klingelte der Wecker und eine halbe Stunde später verließen wir unser Appartement. In den Anreiseinformationen des Veranstalters standen leider nur Tipps, wie Autofahrer und Läufer mit der Bahn aus anderen Städten am besten zum Start gelangen. Na gut, so schwer konnte das ja nicht sein, dachten wir zumindest… Unser Plan, den Bus zu nehmen löste sich in Luft auf, als uns die Streckenposten, die seit 4 Uhr die Rennstrecke und alle Straßen rundherum (gefühlt die gesamte Stadt) absperrten, mitgeteilten, dass diese überhaupt nicht fuhren. Die Idee mit dem eigenen Auto die 15 minütige bzw. 7 Kilometer weite Fahrt zu bewältigen, wurde ebenfalls außer Kraft gesetzt, da uns schlaue Nachbarn zu geparkt hatten.

Ok, keine Panik! 

Taxi! Uber! Gett! In weiser Voraussicht hatte ich mir am Abend vorher schon jegliche Apps für Mitfahrgelegenheiten runtergeladen.

Es fuhren mehrere Taxis an uns vorbei, doch leider waren alle bereits voll oder reserviert und auch genervt, dass sie in bestimmte Bereiche nicht mehr einfahren durften um Leute abzuholen. Ich ahnte Schlimmes und mit der Zeit im Nacken liefen wir bereits im Stechschritt Richtung Start. Leider wurde die Situation auch nicht besser, als uns mehrere Gruppen Läufer hilflos über den Weg liefen. Wir trafen auf dem Weg zufällig auch die Adidas Runners aus Berlin, die mit ihrem Bus ebenfalls durch quer parkende Autos stecken geblieben waren.

Inzwischen war es bereits fast 6 Uhr und wir begannen langsam panisch zu werden. Wir beschlossen die restlichen 4 Kilometer bis zum Start zu rennen. Meine Zielzeit von unter 2 Stunden hatte ich längst abgehakt.

Völlig gestresst kamen wir um exakt 6.30 Uhr am Marathongelände an. Da kam uns die erste Startwelle, in der ich eigentlich starten sollte, bereits entgegen. Panik, Hilflosigkeit, Resignation stiegen in mir auf. Schließlich mussten wir auch noch unsere Rucksäcke abgeben. Passend zu unserem Glück an diesem Morgen mussten wir feststellen, dass alle Wegweiser auf dem Gelände ausschließlich auf hebräisch waren. Nach einer gefühlten Ewigkeit hatten wir endlich die Gepäckabgabe gefunden und hörten den „Final Call“ für die Läufer des Halbmarathons. Als wir dann auch noch nach unseren Tickets für die Gepäckabgabe gefragt wurden, hakten wir den Start für uns endgültig ab. Widerwillig kauften wir uns, zum Wucherpreis von umgerechnet 7,50€, das besagte Abgabeticket und ich gab – den Tränen nahe – meinen Rucksack ab.

Das war ein echt mieses Gefühl! Wochenlange Reiseplanung und Trainingsvorbereitung… Sollte das alles umsonst gewesen sein?!

Nachdem wir einige Minuten in Schockstarre ausharrten, suchten wir nach einer Alternative. Trübsal blasen war schließlich keine Option. Glücklicherweise (oder aus Erfahrung) war es kein Problem, uns kurzfristig auf die 10 km Distanz umschreiben zu lassen. Dadurch hatten wir nun noch entspannte 2 Stunden Zeit, um uns von den Anreisestrapazen zu erholen. So setzten wir uns mit einem heißen arabischen Kaffee in die Morgensonne und schauten den Marathonläufern bei ihrem Start um 7.30 Uhr zu. 

 

Pünktlich und entspannt fiel um 8.45 Uhr nun auch der Startschuss für uns. Neue Chance, neues Ziel sagte ich mir und beschloss mich zum ersten Mal an einen Pacer zu halten. Die 50 Minuten sollten doch zu schaffen sein, meine persönliche Bestzeit lag bis dato bei 51:16 Minuten.

Es lief gut, sehr gut sogar. So gut, dass ich Angst bekam zu schnell gestartet zu sein. Ein anderer Läufer neben mir puschte mich regelrecht und hielt mir sogar den Weg frei. Als wenn er ahnte, was ich vorhatte. Ich überholte zeitweise den 50 Minuten-Pacer und genoss die tolle Stimmung am Streckenrand.

Die Strecke führte, anders als die Halb- und Marathonstrecke, leider nicht am Strand entlang. Dafür aber an wunderschönen Alleen und Parks vorbei, bis bei Kilometer 8 eine Brücke nahte. Aber auch diese überwand ich relativ problemlos und erreichte erschöpft, aber glücklich das Zieltor.

Wow!! Ich ahnte schon, dass es für unter 50 Minuten gereicht hatte, obwohl mich der Pacer auf den letzten Metern wieder eingeholt hatte. Aber das ich es in unglaublichen 48:35 Minuten geschafft hatte, hätte ich nie erwartet!!!

 

Das Training der letzten Wochen hat sich also doch ausgezahlt! Ich war nach dem Lauf stolz wie Oskar und wartete gut gelaunt auf meine Freunde, um zusammen mit Ihnen die tolle Partystimmung im Zielgelände zu genießen.  Panik, Wut, Traurigkeit, Aufregung, Stärke, Erschöpfung, Freude und Stolz waren die Gefühle, die diesen Tag begleitet haben. Glückselig ließen wir den Tag bei einem Sundowner am Strand im Stadtteil Odl-Jaffa und einem tollen arabischen Abendessen ausklingen.

 

Als wir abends erschöpft in unsere Betten fielen, zeigte mir mein fitbit stolze 50.000 Schritte und 41 zurückgelegte Kilometer an.

Leider mussten zwei von uns schon am nächsten Morgen zurück fliegen. Mir blieb zum Ausklingen einer aufregenden Laufreise glücklicherweise noch ein weiterer Tag, den wir bei sonnigen 24 Grad und wolkenlosem Himmel am Frishman Beach verbrachten.

Wer mich kennt weiß, dass ich es nicht lange faul am Strand aushalte. Also schloss ich mich ein letztes Mal der sportlichen israelischen und internationalen Läufergemeinschaft an und trabte langsam zu einem 7 Kilometer langen Regenerationslauf entlang der Promenade.

 

An diesem Tag war Sabbat – Ruhetag an dem sich die Einheimischen sich am Strand trafen. Ich ließ währenddessen die letzten Tage Revue passieren und genoss die ausgelassene Stimmung: Bands spielten, Trommler trommelten und die öffentlichen Verkehrsmittel standen still. Irgendwie hatte ich ein Deja-vu. 🙂

Auch wenn ich die Organisation bezüglich der Anreise innerhalb der Stadt stark verbesserungswürdig finde (nach Recherchen im Netz ist dies ein bekanntes Manko), ist mein Fazit zu diesem Lauf: Absolut empfehlenswert!! Lasst euch mitreißen! Aber nehmt euch ein Fahrrad für die Anreise mit 🙂 Shalom

 

 

3 Kommentare zu Why I run Tel Aviv oder einmal Odyssee und zurück…

  1. Manu sagt:

    Ach das erinnert mich ja an mein Erlebnis vor zwei Jahren in Tel Aviv 🙂 Da habe ich es auch gerade noch so zum Start geschafft: https://laufwelt.wordpress.com/2015/03/02/tel-aviv-halbmarathon/

  2. […] Sarah bloggt übrigens auf dem Blog der Flitz-Piepen über ihre sportliche Laufbahn. Einen ausführlichen Bericht über ihre Teilnahme am Tel Aviv Marathon 2017 findest du hier. […]

Wir freuen uns, wenn du uns hier einen Kommentar hinterlässt...

Folge uns

Du willst immer sofort das Allerneuste von uns lesen?

Dann schreib hier rein wo wir dir unsere Neuigkeiten hinsenden sollen:

%d Bloggern gefällt das: