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COROS Pace 4 im Test – Leicht, schnell und gefährlich gut?

von Fabian Lingner

Seit einigen Jahren begleitet mich die Apple Watch Cellular beim Laufen. Und zumindest bisher gab es wenig Gründe, daran etwas zu ändern.

Ich kann mein Handy zu Hause lassen, trotzdem Musik streamen, bin erreichbar und könnte im Notfall sogar telefonieren. Zusammen mit der Nike Run Club App gab es für mich lange Zeit keinen wirklichen Grund, mich nach einer anderen Uhr umzusehen.

Die ersten Zweifel kamen trotzdem schon vor zwei Jahren.

Damals steckte ich mitten in der Vorbereitung auf den 50. Berlin-Marathon und stellte bei den immer länger werdenden Long Runs fest, dass meine Apple Watch zwar vieles kann, Ausdauer aber nicht unbedingt zu ihren größten Stärken gehört.

Apple Watch wieder alle? Zeit für echte Ausdauer.

Im vergangenen Jahr spielte das Thema kaum eine Rolle. Verletzungsbedingt standen deutlich weniger Laufkilometer auf dem Programm und die Akkulaufzeit rückte entsprechend in den Hintergrund.

In diesem Jahr sah die Sache wieder anders aus.

Der 52. Berlin-Marathon wirft seine Schatten voraus, die Umfänge steigen wieder und mit ihnen kehrt auch eine alte Frage zurück:

Hält meine Uhr das eigentlich noch durch?

Dabei liegt das Problem nicht einmal darin, dass die Apple Watch eine schlechte Uhr wäre. Ganz im Gegenteil. Bis heute gibt es viele Gründe, warum ich sie noch nutze.

Trotzdem war ich auf der Suche nach einer Uhr, die besser zu meinem Training passt.

Einer Uhr, die mehrere Trainingstage durchhält. Einer Uhr, bei der ich vor einem Long Run nicht erst nach dem Ladekabel suchen muss. Einer Uhr, bei der das Training im Mittelpunkt steht.

Und bei dieser Suche tauchte ein Name immer wieder auf:

COROS.

Genauer gesagt die COROS Pace 4.

Eine Uhr, die auf dem Papier genau das versprach, was mir zuletzt gefehlt hatte: geringes Gewicht, moderne Trainingsfunktionen und eine Akkulaufzeit, bei der das Ladekabel auch mal ein paar Tage Urlaub machen darf.

Also haben wir bei COROS einfach mal nachgefragt, ob wir die Pace 4 ausführlich testen dürfen. Netterweise stellte uns COROS dafür ein Testgerät zur Verfügung.

Jetzt stellt sich nur noch eine Frage:

Kann eine reine Sportuhr eine Smartwatch schlagen, die eigentlich alles kann?

Zeit, das herauszufinden.

Flitz-Piepen-Praxis

Für diesen Test war die COROS Pace 4 rund drei Wochen fast täglich im Einsatz. In dieser Zeit absolvierte ich knapp 120 Laufkilometer, 19 Trainingseinheiten sowie mehrere Kraft- und Stabilisationseinheiten. Alle Eindrücke in diesem Artikel stammen aus diesem Praxiseinsatz.

Leicht? Fast schon absurd.

Das Unboxing der COROS Pace 4 ist schnell erzählt.

Die Verpackung besteht nahezu komplett aus Pappe. Plastik sucht man hier weitestgehend vergeblich, sodass nach dem Auspacken erfreulich wenig Müll übrig bleibt.

Der Lieferumfang der COROS Pace 4 auf einen Blick.

Im Karton findet sich neben der Uhr kein klassisches Ladekabel. Stattdessen legt COROS einen kleinen Ladeadapter bei, der in einer Silikonhülle steckt und sich beispielsweise am Schlüsselbund befestigen lässt.

Die Idee dahinter gefällt mir richtig gut.

Anstatt ein weiteres Kabel mitzuliefern, das irgendwo in der Schublade verschwindet, kann der Adapter einfach mit einem vorhandenen USB-C-Kabel genutzt werden. Da mittlerweile ohnehin überall ein USB-C-Kabel herumliegt, hat mir diese Lösung im Alltag tatsächlich besser gefallen als ein weiteres proprietäres Ladekabel.

Beeindruckt hat mich allerdings die Uhr selbst.

Die COROS Pace 4 wiegt weniger als manche Energieriegel. Kein Witz.

Die COROS Pace 4 (40 g) bringt mit Silikonarmband deutlich weniger auf die Waage als mein Clif Bar (68 g).

In den ersten Tagen habe ich tatsächlich mehrfach aufs Handgelenk geschaut, um zu prüfen, ob die Uhr überhaupt noch da ist.

Eine Kleinigkeit ist mir im Alltag allerdings trotzdem aufgefallen.

Der überstehende Teil des Armbands wird in einen kleinen Halter eingeklickt. Die Idee gefällt mir grundsätzlich gut. Im Alltag löste sich dieser Halter bei mir allerdings immer mal wieder, wenn ich irgendwo hängengeblieben bin. Dann hing das Band plötzlich locker herunter und ich musste es ständig wieder einklicken.

Kein großes Problem – aufgefallen ist es mir während der Testphase trotzdem.

Von Apple zu COROS: Die ersten Tage

Nach dem Auspacken stand natürlich erst einmal die Einrichtung auf dem Programm.

Also die COROS-App heruntergeladen, ein Konto angelegt, die Uhr hinzugefügt und losgelegt. Viel mehr gibt es dazu eigentlich nicht zu sagen. Und das ist durchaus als Kompliment gemeint.

Die gesamte Einrichtung verlief unkompliziert und war nach wenigen Minuten erledigt. Weder musste ich lange Menüs durchforsten noch ständig zur Anleitung greifen. Genau genommen habe ich die Anleitung überhaupt nicht gelesen.

Stattdessen wollte ich einfach wissen, wie intuitiv sich die Pace 4 im Alltag bedienen lässt. Also Uhr eingerichtet, ein wenig durch die Menüs geklickt und anschließend direkt versucht, eine Trainingseinheit zu starten.

Und genau das klappte auf Anhieb.

Die Uhr war bereits vollständig geladen, sodass ich mich um das Thema Akku zunächst überhaupt nicht kümmern musste.

Viele moderne Sportuhren bieten mittlerweile eine Fülle an Funktionen. Das ist grundsätzlich etwas Positives, kann aber gerade am Anfang auch schnell überfordern.

Bei der COROS Pace 4 hatte ich diesen Eindruck nicht.

Die Menüs wirken aufgeräumt, die Bedienung ist nachvollziehbar und viele Funktionen erschließen sich praktisch von selbst. Zumindest hatte ich zu keinem Zeitpunkt das Gefühl, erst ein Handbuch studieren zu müssen, bevor ich die Uhr sinnvoll nutzen kann.

Statt lange Einstellungen zu vergleichen oder mich durch Untermenüs zu kämpfen, konnte ich das tun, worum es eigentlich geht:

Schuhe anziehen, Training starten und loslaufen.

Die ersten Kilometer

Noch am selben Tag ging es in der Mittagspause auf eine erste Runde über knapp sieben Kilometer.

Jetzt sollte sich zeigen, wie sich die COROS Pace 4 in der Praxis schlägt.

Das GPS-Signal war draußen nach wenigen Sekunden gefunden und schon konnte es losgehen. Direkt überzeugt haben mich das AMOLED-Display und die Bedienung. Die Anzeige ist gestochen scharf, auch bei Sonnenschein gut ablesbar, und mit Krone sowie Touchdisplay fand ich mich sofort zurecht.

Kurz stutzig gemacht hat mich allerdings die Herzfrequenz. Die Pace 4 zeigte bei diesem ersten Lauf einen deutlich höheren Puls an, als ich von meinen lockeren Einheiten gewohnt war. Da ich zu diesem Zeitpunkt noch keinen direkten Vergleich hatte, behielt ich das Thema zunächst im Hinterkopf.

Vielleicht spielte auch die Vorfreude auf den Test eine Rolle. Schließlich beobachtet man mit einer neuen Uhr jeden einzelnen Wert deutlich genauer als sonst.

Sieben Kilometer später war klar: Leicht kann sie.

Mit zwei Uhren unterwegs

Spätestens jetzt war ich endgültig im Testmodus angekommen.

Bei den nächsten Läufen trug ich links die COROS Pace 4 und rechts meine Apple Watch. Vermutlich sah das von außen etwas seltsam aus, aber ich wollte einfach wissen, wie nah beide Uhren im Alltag tatsächlich beieinander liegen.

Für viele Läufe trug ich beide Uhren gleichzeitig, um GPS, Herzfrequenz und Trainingsdaten direkt miteinander vergleichen zu können.

Je mehr Kilometer zusammenkamen, desto kleiner wurden allerdings auch die Unterschiede bei der Herzfrequenz. Der erste Ausreißer schien sich also nicht zu bestätigen.

Ganz losgelassen hat mich das Thema trotzdem nicht.

Also durfte auch noch mein mittlerweile rund zehn Jahre alter TomTom-Brustgurt sein Comeback feiern. Zunächst verband ich ihn mit der Apple Watch. Schließlich gelten Brustgurte bei der Herzfrequenzmessung nach wie vor als Referenz und ich wollte einen möglichst fairen Vergleich zwischen beiden Uhren haben.

Umso überraschter war ich, als ich feststellte, dass sich der Brustgurt auch mit der COROS Pace 4 verbinden lässt.

Im Zubehör-Menü der App herrschte allerdings zunächst gähnende Leere. Mein Brustgurt wurde weder angezeigt noch ließ er sich über die Gerätesuche finden.

Ein kurzer Blick ins Online-Benutzerhandbuch von COROS zeigte schließlich, dass ich einfach an der falschen Stelle gesucht hatte.

Mein alter TomTom-Brustgurt ließ sich anschließend direkt über die Uhr problemlos verbinden.

Das fand ich richtig praktisch. Wer bereits einen kompatiblen Brustgurt zu Hause hat, muss sich unter Umständen gar keinen neuen kaufen, sondern kann seinen vorhandenen Sensor einfach weiter nutzen.

Spätestens da gab es keine Ausreden mehr.

Jetzt musste sich zeigen, wie gut die Herzfrequenzmessung der COROS Pace 4 wirklich ist.

Flitz-Piepen-Tipp

Falls euer Brustgurt im Zubehör-Menü nicht auftaucht, schaut direkt an der Uhr unter System → Zubehör → Bluetooth hinzufügen nach.

Ist der Brustgurt verbunden, nutzt die COROS Pace 4 automatisch dessen Messwerte und deaktiviert den optischen Sensor.


Hinweis: Mein Test erfolgte mit einem rund zehn Jahre alten TomTom-Brustgurt.

Trainieren statt nur aufzeichnen

Nach den ersten Läufen war meine Neugier natürlich noch lange nicht gestillt.

Die COROS Pace 4 unterstützt schließlich eine ganze Reihe verschiedener Sportarten – vom Schwimmen über Radfahren bis hin zum Skifahren. Da mein großes Ziel in diesem Jahr aber der Berlin-Marathon ist, habe ich mich im weiteren Test ganz bewusst auf die Lauffunktionen konzentriert.

Dabei bin ich ziemlich schnell über den personalisierten Marathonplan von COROS gestolpert.

Auf Basis meiner bisherigen Trainingsdaten und meiner gewünschten Zielzeit erstellt COROS einen individuellen Trainingsplan, der anschließend automatisch mit der Uhr synchronisiert wird.

Was mir dabei sofort gefallen hat:

Der Plan besteht eben nicht nur aus Laufeinheiten.

Praktisch fand ich außerdem den Trainingskalender. Wenn das echte Leben mal wieder den Trainingsplan durcheinanderwürfelt, lassen sich einzelne Einheiten ganz einfach verschieben. Wenige Augenblicke später war der geänderte Plan auch auf der Uhr verfügbar und über das Schnellstart-Menü konnte ich direkt mit der geplanten Einheit loslegen.

Eine weitere Funktion wollte ich während der Marathonvorbereitung natürlich ebenfalls ausprobieren: den virtuellen Pacer.

Damit dieser überhaupt genutzt werden kann, braucht es zunächst eine Strecke inklusive einer Pace-Strategie. Die Strecke hatte ich für den Navigationstest ohnehin bereits erstellt. Also musste ich nur noch eine Zielpace festlegen und die Einheit auf die Uhr übertragen. Wenige Augenblicke später konnte es auch schon losgehen.

Während des Laufs zeigt die COROS Pace 4 nicht nur die aktuelle Pace an, sondern macht auch direkt sichtbar, ob man sich innerhalb der geplanten Zielgeschwindigkeit bewegt oder gerade etwas zu schnell beziehungsweise zu langsam unterwegs ist. Gerade bei Tempoläufen fand ich das richtig hilfreich. Statt ständig selbst auf die Pace achten zu müssen, genügte ein kurzer Blick auf die Uhr und ich wusste sofort, ob ich noch im Plan lag.

Ich hätte ehrlich gesagt nicht gedacht, dass ich diese Funktion so praktisch finden würde. Für lockere Dauerläufe werde ich den virtuellen Pacer wahrscheinlich eher selten nutzen. Wenn ich aber gezielt nach einer bestimmten Pace trainieren möchte, gehört er für mich inzwischen zu den Funktionen, die ich gerne einschalte.

Zwischen Tempoläufen und Long Runs standen regelmäßig auch Übungen für Bauch und Beine auf dem Programm. Genau die Einheiten also, die ich als Läufer viel zu oft auf morgen verschiebe  und am Ende dann doch einfach ausfallen lasse.

Ein Detail hat mich dabei besonders begeistert: die kleinen Animationen.

Egal ob in der COROS-App oder direkt auf der Uhr, die Übungen werden nicht einfach nur mit ihrem Namen angezeigt, sondern auch anschaulich erklärt.

Kniebeugen oder Ausfallschritte bekommt vermutlich jeder noch irgendwie hin. Bei Übungen wie Scissor Kicks, Bicycle Crunches oder Quadruped Knee to Elbow musste ich dagegen nicht erst das Handy zücken oder überlegen, wie die Übung eigentlich ausgeführt wird.

Ein kurzer Blick auf die Animation genügte und schon konnte es losgehen.

Neugierig war ich natürlich auch auf die automatische Wiederholungserkennung.

Anfangs war ich allerdings etwas irritiert. Die Wiederholungen werden nämlich nicht immer einzeln gezählt. Statt von 0 auf 1 auf 2 sprang der Zähler bei mir teilweise direkt auf 4 oder später auf 9.

Nach ein paar Übungen hatte ich den Dreh aber raus. Die Uhr zählt offenbar nicht jede einzelne Wiederholung sofort, sondern fasst Bewegungen zusammen. Daran musste ich mich zunächst gewöhnen. Danach funktionierte das Ganze deutlich besser.

Die COROS zeigt die Übungen direkt auf der Uhr animiert an.

Ganz perfekt war es trotzdem nicht.

Hin und wieder wurden Wiederholungen trotz sauberer Ausführung nicht erkannt. Die Übung lässt sich zwar jederzeit überspringen und das Training ganz normal fortsetzen. Die gesamte Trainingseinheit wird anschließend allerdings teilweise als nicht vollständig abgeschlossen angezeigt. Gerade beim Krafttraining finde ich das etwas schade.Unterm Strich hat mich der personalisierte Marathonplan wirklich überzeugt.

Vor allem deshalb, weil er mich immer wieder auch zu den Einheiten motiviert hat, die ich sonst wahrscheinlich auf morgen verschoben, oder am Ende doch einfach ausgelassen hätte.

Und ganz ehrlich:

Einen Long Run nehme ich deutlich lieber mit als eine Einheit voller Planks und Ausfallschritte. Für die Marathonvorbereitung sind beide aber mindestens genauso wichtig. Natürlich blieb es während der drei Wochen nicht nur beim Laufen und Krafttraining.

Aus reiner Neugier habe ich auch einen Blick auf andere Sportprofile geworfen. Einen kleinen Selbstversuch konnte ich mir dabei nicht verkneifen.

In unserem gerade einmal vier Meter langen Pool bin ich mit einem Gummiseil praktisch auf der Stelle geschwommen. Eigentlich hatte ich erwartet, dass die Uhr damit überhaupt nichts anfangen kann.

Stattdessen zeichnete sie ganz selbstverständlich eine Schwimmeinheit auf und berechnete sogar Tempo und Distanz. Ob diese Werte unter diesen Bedingungen wirklich stimmen, kann ich natürlich nicht beurteilen.

Dass die Uhr diese ungewöhnliche Situation überhaupt als Schwimmeinheit erkannt hat, hätte ich ehrlich gesagt nicht erwartet.

Nach dem Training

Ehrlich gesagt hatte ich erwartet, dass die eigentliche Auswertung erst in der COROS-App beginnt.

Das Gegenteil war der Fall.

Die COROS Pace 4 zeigt nach dem Training gefühlt erst einmal alles an, was man wissen möchte. Pace, Herzfrequenz, Rundenzeiten, Trainingsbelastung oder Erholungszeit. Für einen schnellen Überblick musste ich das Handy oft gar nicht erst aus der Tasche holen.

Direkt nach dem Training ist mir außerdem eine Funktion besonders positiv aufgefallen.

Über die Uhr lassen sich kurze Sprachnotizen aufnehmen, die anschließend automatisch der jeweiligen Trainingseinheit zugeordnet werden.

Das klingt zunächst nach einer Kleinigkeit, erwies sich im Alltag für mich aber als überraschend praktisch.

Warum fühlte sich der Lauf heute schwer an? Weshalb war der Puls ungewöhnlich hoch? Oder warum liefen die letzten Kilometer plötzlich so leicht?

Statt mir vorzunehmen, das später irgendwo aufzuschreiben, konnte ich meine Gedanken einfach direkt nach dem Training festhalten.

Erst danach landete ich meistens in der COROS-App.

Nicht, weil auf der Uhr etwas gefehlt hätte. Sondern weil sich die vielen Daten auf einem Smartphone einfach deutlich angenehmer auswerten lassen als auf einem kleinen Display.

Positiv aufgefallen ist mir dabei vor allem, wie unkompliziert das Zusammenspiel zwischen Uhr und App funktioniert.

Kaum war eine Aktivität beendet, war sie kurze Zeit später auch in der App verfügbar. Während der gesamten Testphase musste ich kein einziges Mal manuell nachhelfen oder mich über Verbindungsprobleme ärgern.

Gerade beim personalisierten Marathonplan merkt man außerdem schnell, dass die App deutlich mehr ist als nur eine Trainingsübersicht.

Hier werden Einheiten geplant, bei Bedarf verschoben und sämtliche Trainingsdaten an einem Ort zusammengeführt. Änderungen werden anschließend direkt mit der Uhr synchronisiert, sodass das nächste Training ohne Umwege starten kann.

Am häufigsten habe ich allerdings auf meine Lauffitness geschaut.

Ich kannte diese Funktion vorher nicht und war gerade zu Beginn nach fast jedem Training neugierig, ob sich dort etwas verändert hat. Natürlich springt dieser Wert nicht nach jeder Einheit nach oben.

Aber genau das machte ihn für mich interessant.

Ich wollte einfach wissen, ob mich jeder Lauf meinem Ziel – dem Berlin-Marathon – ein kleines Stück nähergebracht hat. Richtig begeistert haben mich außerdem die Rennprognosen.

Auf Basis der gesammelten Trainingsdaten schätzt COROS, welche Zeiten aktuell über 5 Kilometer, 10 Kilometer, Halbmarathon oder Marathon möglich sein könnten, logischerweise sollte man diese Werte nicht als feste Vorhersage verstehen. Trotzdem fand ich es ziemlich spannend, ihre Entwicklung im Laufe meiner Marathonvorbereitung zu verfolgen.

Für den Berlin-Marathon hatte ich zunächst eine Wunschzielzeit von 3:55:30 Stunden hinterlegt.

Bereits nach der ersten Auswertung prognostizierte mir COROS 3:53 Stunden.

Zum Ende meines Tests lag die Prognose schließlich sogar bei 3:49:49 Stunden.

Ob diese Zeit im September tatsächlich auf der Uhr steht, wenn ich über die Ziellinie in Berlin laufe, wird sich natürlich erst noch zeigen.

Als zusätzliche Orientierung und kleiner Motivationsschub während der Vorbereitung hat mir diese Funktion aber richtig gut gefallen.

Ich will an dieser Stelle trotzdem ehrlich sein.

Viele Sportuhren mit ihren jeweiligen Apps hatte ich bisher nicht im Test. Einen direkten Vergleich zu Garmin, Polar oder Suunto kann ich deshalb nicht ziehen.

Verglichen mit der Nike Run Club App hat mir die COROS-App im Alltag allerdings deutlich besser gefallen.

Sie bietet nicht nur wesentlich mehr Trainingsdaten, sondern schafft es gleichzeitig, diese übersichtlich und verständlich aufzubereiten. Genau diese Kombination hat mir im Alltag richtig gut gefallen.

GPS: Die Sache mit den Extra-Metern

Wer schon einmal einen Halbmarathon oder Marathon gelaufen ist, kennt das vielleicht.

Die Ziellinie ist erreicht, die Medaille hängt um den Hals und ein Blick auf die Uhr sorgt trotzdem für Verwunderung.

21,5 Kilometer?

Beim Berlin-Halbmarathon Anfang des Jahres zeigte meine Apple Watch am Ende rund 21,5 Kilometer an, obwohl die Strecke offiziell nur 21,0975 Kilometer lang ist.

Genau deshalb hatte ich mir für den Test der COROS Pace 4 etwas Besonderes vorgenommen.

Eigentlich wollte ich die GPS-Genauigkeit der Uhr beim Hella Halbmarathon Hamburg unter echten Wettkampfbedingungen direkt mit meiner Apple Watch vergleichen. Eine bessere Gelegenheit für so einen Praxistest gibt es schließlich kaum.

Leider hatte das Wetter andere Pläne.

Wegen der extremen Hitze wurde der Halbmarathon kurzfristig abgesagt und damit fiel auch mein geplanter GPS-Vergleich ins Wasser.

Manchmal macht einem eben nicht die Technik, sondern das Wetter einen Strich durch die Rechnung.

Flitz-Piepen-Wissen

Warum zeigt meine Laufuhr manchmal mehr Kilometer an?

Viele Läufer erschrecken beim ersten Halbmarathon oder Marathon, wenn die Uhr am Ende plötzlich ein paar hundert Meter mehr anzeigt als die offizielle Distanz.

Der Grund ist meistens ganz einfach: Wettkampfstrecken werden entlang der Ideallinie vermessen. Im Rennen läuft diese Linie allerdings so gut wie niemand. Überholmanöver, Kurven oder ein kleiner Schlenker zur Verpflegungsstation sorgen dafür, dass sich unterwegs schnell ein paar zusätzliche Meter sammeln.

Dazu kommt, dass auch moderne GPS-Uhren nicht auf den Zentimeter genau messen. Kleine Abweichungen sind völlig normal und summieren sich über viele Kilometer.

Kurz gesagt: Zeigt eure Laufuhr am Ende ein paar Meter mehr an, ist das in den allermeisten Fällen völlig normal – und kein Zeichen für schlechtes GPS.

Neue Wege?

Ehrlich gesagt war die Navigation eine der Funktionen, auf die ich mich am wenigsten gefreut hatte.

Nicht, weil ich sie für schlecht halte. Sondern weil ich sie beim Laufen bisher schlicht nie gebraucht habe. Meine Hausrunden kenne ich auswendig und wenn ich doch einmal irgendwo unterwegs war, reichte bisher meistens ein kurzer Blick aufs Smartphone.

Trotzdem wollte ich der Navigation der COROS Pace 4 eine faire Chance geben.

Für den Test habe ich deshalb einfach eine meiner Hausstrecken als Route auf die Uhr übertragen.

Zugegeben, den Weg kannte ich bereits.

Mir ging es aber auch gar nicht darum, die Strecke zu finden. Ich wollte vielmehr wissen, wie gut mich die Uhr entlang einer hinterlegten Route führt und ob die Breadcrumb-Navigation im Alltag tatsächlich ausreicht.

Die Route war schnell auf die Uhr übertragen und wenige Augenblicke später konnte es auch schon losgehen.

Während des Laufs führte mich die COROS Pace 4 zuverlässig entlang der Strecke. Statt einer klassischen Karte mit Straßen und Gebäuden zeigt die Uhr lediglich den Streckenverlauf an.

Genau das machte mich anfangs etwas skeptisch.

Reicht so eine einfache Linie wirklich aus?

Nach ein paar Kilometern lautete meine Antwort allerdings:

Ja.

Zumindest für den Einsatzzweck, für den diese Funktion gedacht ist.

Ich wusste jederzeit, ob ich mich noch auf der geplanten Strecke befand oder an der nächsten Kreuzung hätte abbiegen müssen. Mehr Informationen habe ich während des Laufens ehrlich gesagt gar nicht vermisst.

Für meine normalen Trainingseinheiten werde ich die Navigation trotzdem wahrscheinlich nur selten nutzen. Dafür kenne ich meine Laufstrecken einfach zu gut. Das war übrigens auch schon bei meiner Apple Watch so.

Wenn ich allerdings im Urlaub unterwegs bin oder eine neue Laufstrecke erkunden möchte, sehe ich darin durchaus einen echten Mehrwert.

Die Breadcrumb-Navigation ersetzt zwar keine klassische Kartenansicht.

Sie muss es aber auch gar nicht.

Für eine Sportuhr hat sie genau das getan, was sie tun soll: Sie hat mich zuverlässig auf meiner Route gehalten, ohne mich dabei unnötig vom Laufen abzulenken.

Ein Problem weniger

Der Akku war einer der Hauptgründe, warum ich mich überhaupt nach einer Alternative zur Apple Watch umgesehen habe.

Umso gespannter war ich natürlich, ob die COROS Pace 4 dieses Versprechen im Alltag wirklich einlösen kann.

Also habe ich sie nicht geschont.

In den folgenden drei Wochen kamen 19 Trainingseinheiten, knapp 120 Laufkilometer, mehrere Krafttrainingseinheiten und das ganz normale Tragen im Alltag zusammen.

Ein wenig skeptisch war ich anfangs allerdings schon.

Schließlich steckt in der COROS Pace 4 ein AMOLED-Display – und von der Apple Watch war ich es gewohnt, dass ein helles Display und GPS nicht unbedingt die beste Kombination für den Akku sind.

Diese Sorge hat sich im Alltag allerdings überhaupt nicht bestätigt.

Das Display ist hervorragend ablesbar und trotzdem hatte ich während der gesamten Testphase nie das Gefühl, dafür mit einer kürzeren Akkulaufzeit bezahlen zu müssen.

Gerade einmal zwei Mal musste die COROS Pace 4 während der gesamten Testphase ans Ladekabel. Genau das war für mich der größte Unterschied zur Apple Watch.

Früher gehörte der Blick auf den Akkustand irgendwie zu jeder Trainingseinheit dazu.

Reicht der Akku noch?

Sollte ich die Uhr vorher lieber noch kurz laden?

Mit der COROS Pace 4 verschwanden diese Gedanken irgendwann ganz von allein.

Selbst wenn der Akkustand nur noch bei rund 17 Prozent lag, bin ich ganz entspannt zu einem lockeren Zehn-Kilometer-Lauf aufgebrochen.

Erst bei 10 Prozent meldet sich die Uhr mit einem Hinweis auf dem Display und erinnert daran, dass sie bald wieder ans Ladekabel möchte.

17 % Akku – und trotzdem kein Gedanke ans Ladekabel. Genau so hatte ich mir eine Sportuhr vorgestellt.

Und wisst ihr was?

Selbst diese Meldung hat bei mir keine Hektik ausgelöst.

Ich wusste inzwischen, dass noch genügend Reserve für meine Trainingseinheit vorhanden ist.

Irgendwann habe ich sogar aufgehört, vor jedem Lauf überhaupt auf den Akkustand zu schauen.

Für viele klingt das wahrscheinlich nach einer Kleinigkeit.

Für mich war genau das der entscheidende Unterschied.

Nicht, weil der Akku länger hält.

Sondern weil ich mich irgendwann einfach darauf verlassen konnte.

Genau so hatte ich mir eine Sportuhr vorgestellt.

Für Zahlenfreunde

Über Displaygröße, Sensoren oder Akkulaufzeiten könnte ich euch jetzt noch eine ganze Weile erzählen.Viel wichtiger war für mich allerdings die Frage, wie sich die COROS Pace 4 im Alltag schlägt.

Genau deshalb ging es in diesem Test bewusst nicht darum, jedes technische Detail aufzulisten, sondern die Uhr drei Wochen lang im echten Trainingsalltag zu begleiten.

Wer zusätzlich noch einen Blick auf die vollständigen technischen Daten werfen möchte, findet diese direkt auf der offiziellen Produktseite von COROS.

Fazit: Brauche ich überhaupt noch eine Smartwatch?

Flitz-Piepen-Fazit

Nach drei Wochen im Praxistest hat mich die COROS Pace 4 überzeugt. Sie ersetzt keine Smartwatch – für mein Lauftraining war sie am Ende aber die bessere Uhr.

Als ich diesen Test begonnen habe, war ich eigentlich gar nicht auf der Suche nach einer neuen Uhr.

Mit meiner Apple Watch war ich über Jahre hinweg zufrieden. Sie hat mich zuverlässig durch viele Trainingseinheiten begleitet und im Alltag genau das geboten, was ich von einer Smartwatch erwartet habe.

Nach drei Wochen mit der COROS Pace 4 hat sich mein Blick allerdings verändert.

Nicht, weil die COROS Pace 4 alles besser kann als eine Apple Watch.

Sondern weil sie genau die Dinge besser macht, die für mein Training inzwischen entscheidend geworden sind.

Ich musste mir keine Gedanken mehr über den Akku machen. Die Uhr begleitet mehrere Trainingstage problemlos, liefert jede Menge Trainingsdaten und motiviert mit Funktionen wie der Lauffitness oder den Rennprognosen sogar dazu, konsequent dranzubleiben. Dazu kommt ein Gewicht, das man beim Laufen nach wenigen Minuten kaum noch wahrnimmt.

Während meiner Trainingseinheiten habe ich Funktionen wie LTE, Apple Pay oder Musikstreaming deutlich seltener vermisst, als ich vorher gedacht hätte.

Stattdessen habe ich etwas gewonnen, das ich vorher gar nicht auf dem Schirm hatte: Ich konnte die Uhr einfach anziehen, das Training starten und mich vollständig aufs Laufen konzentrieren.

Ist die COROS Pace 4 für mich perfekt?

Für mein Training kommt sie ziemlich nah heran.

Wer möglichst viele Smartwatch-Funktionen sucht, dürfte sich mit einer Apple Watch weiterhin wohler fühlen. Wer dagegen in erster Linie trainiert, findet in der COROS Pace 4 eine Sportuhr, die sich konsequent auf das Wesentliche konzentriert und genau das macht sie in meinen Augen so stark.

Und ich?

Vor drei Wochen habe ich mich gefragt, ob eine reine Sportuhr wirklich besser zu meinem Training passen könnte.

Heute würde ich mir diese Frage wahrscheinlich gar nicht mehr stellen.

Wenn ich morgen den Berlin-Marathon laufen würde, stünde ich ziemlich sicher nicht mehr mit meiner Apple Watch an der Startlinie.

Sondern mit der COROS Pace 4.

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