27. Volkstriathlon Berlin – Einmal und nie wieder!

Veröffentlich am: 16. Juli 2015

In der Kategorie: Triathlon

Verfasser(in): Olli

Schlagworte: , , , ,

Anhand unseres Stabitrainings am Vortag, aka im Garten eine Grube ausheben, haben Maudi und ich unsere Ziele schon etwas tiefer stapeln müssen. Auch die kleine Radtour bei 38 Grad im Schatten zur Startnummernausgabe brachte da nur wenig Lockerung. Dabei konnten wir uns wenigstens nochmal die Strecke anschauen. Denn die war noch bei unserem letzten Streckencheck in einem sehr verwüsteten Zustand.

Gartenarbeit at its best ;)

Auch auf der Wettkampfbesprechung wurde es kuschelig und eng, aber halb so wild. Unsere Startnummern und Chips hatten wir schnell. Es war also noch Zeit um ins Wasser zu springen. Chris musste im nachhinein noch etwas randalieren und hinterließ ein paar heiße Streckenmarkierungen.

Am nächsten Morgen hätte ich mich jedoch am liebsten in die Grube fallen lassen, die wir gestern ausgehoben haben. Triathlon? Heute? Keines Wegs!

Aber was soll´s, die Taschen sind gepackt, die Reifen aufgepumpt und das Wetter noch mild. Also rauf aufs Rad und auf zur Wechselzone. 14km, leere Straßen und die frische Luft vom letzten Regen ließen jeden Morgenfrust verschwinden.

Wir kamen rechtzeitig an der übersichtlichen Wechselzone an und konnten uns ein paar gute Plätze sichern. Bei 450 Teilnehmern nicht so einfach da es, Triathlon untypisch, eine freie Platzwahl gab. Hat aber im letzten Jahr beim Berlin-Man auch geklappt, warum also nicht auch hier. Den letzten beißen dennoch die Hunde oder der jenige muss sein Rad einige Meter über Stuckerpflaster schieben. Wie unser Pechvogel des Tages, Chris. Nicht das er im Triathlon-Anreise-Wahn Chrissis Vorderrad hat stehen lassen, springt ihm auch noch im Wettkampf während der Fahrt die Kette vom Kettenrad. Und als wenn das nicht reicht, zieht er sich beim Sprung ins Wasser noch eine Schnittverletzung zu. Armer Kerl ;)

Aber zurück in die Wechselzone. Dem Wetter sei dank brauchte man diesmal keinen Reisekoffer mit vielen Wechselklamotten, Platz war nämlich nur soviel um sich spärlich einzurichten. Ein Rucksack tat es auch. Der kleine Spaziergang zum Schwimmstart lockerte die Stimmung noch etwas auf und jeder freute sich endlich in das Wasser zu springen. Kleiner Tip: Hier bieten sich für zart betuchte Menschen Badeschlappen an, da der Weg zum Schwimmeinstieg recht steinig ist.

Um 08:00 viel der Startschuss für alle Frauen und Männer ab AK50. “Die jungen Wilden” durften sich 10min. später auf die Jagd begeben.

Ich für meinen Teil hielt mich mittig der Masse auf um einen guten Ausgangspunkt zu haben. Ich rechnete mir in dieser Disziplin wenig Chancen aus. Umso mehr wunderte es mich, wie gut ich nach ein paar kraftvollen Zügen im Feld positioniert war. Ein schneller Schwimmer zog uneinholbar davon, links lieferten sich zwei andere ein Duell und konnten sich etwas absetzen. Und hinter mir? Nach einigen Minuten zogen sich zwei weitere sachte in meinem Sog heran und schoben sich vorbei. Die Arme wurden schwerer und  die 700m schienen unendlich.

Der Weg in die Wechselzone war nicht der beste, durch den hohen Adrenalinspiegel merkte man aber die kleinen Kieselsteine auf dem Anstieg kaum. Die Wechsel verliefen sehr schnell. Zum einen war Neoprenverbot, klar bei der Bullenhitze, zum anderen hatte ich ein kleines Mantra beim Schwimmen: Helm, Brille, Startnummer, Helm Brille, Startnummer. Es lief wie am Schnürrchen!

Rauf aufs Rad und losgestrampelt. Auf den ersten 1000m verlief die Radstrecke auf einem Waldweg, nicht gerade ideal für Rennräder und Zeitmaschinen. Da hier auch noch die Ausläufer der ersten Startwelle unterwegs waren hieß es erstmal etwas Vorsicht walten zu lassen. Im ZickZack schob ich mich durch das Feld. Auf der Krone angekommen,  wurde die erste Kurve genommen und dann hieß es: Leinen los! Ein Leben auf der Überholspur, die Hatz begann. Das Feld war durch die zwei Startwellen bunt gemischt, ich konnte nicht erkennen wer da jetzt vor mir aus dem Wasser gekommen ist. Hatte ich sie womöglich schon eingeholt? Konnte nicht sein. Diese Gedanken schossen durch den meinen Kopf, schneller als ich über die Havelchaussee, Temporausch. Ich sah Miele und pfiff ein kurzes “Hop,Hop” aus meinen Lungen und kurbelte weiter. Einen oder zwei Kilometer vor dem Willi kamen mir die ersten schnellen Entgegen. Ein kleiner Lichtblick, auch Nadin und Chrissi sah ich noch den Willi runter sausen dessen Anstieg ich gerade die Kette positioniert hatte. Der Berg ist im Wettkampf gnadenlos, 1 km und 4-7% Steigung, oben dann die Wende. Kette rechts! Mit Volldampf und 63km/h Spitze schoss nun die Straße runter. Felix hatte ich zu dem Zeitpunkt gesehen und Maudi schrie mir noch etwas zu. Da viele Triathlon-Neulinge auf der Strecke waren (anscheinend auch ohne Führerschein) war es gefährlich so schnell unterwegs zu sein! Das Windschattenfahren war da noch das kleinere Übel über das sich Chris bei seinen Verfolgern des öfteren beschwerte. Das Ausscheren ohne einen Blick nach hinten zu wagen und das permanente links Fahren obwohl rechts frei ist, ergaben kurz ein paar heikle Situationen. Trotzdem machte es einen riesen Spaß!

Zurück in der Wechselzone schob ich das Rad gleich vorwärts in den Ständer um ja keine Zeit zu verlieren. Helm ab, Socken und Schuhe an, Startnummer nach vorn und weiter ging die wilde Fahrt. Das Kopfsteinpflaster in der Wechselzone war vom Wasserausstieg noch sehr glatt und mit Vorsicht zu genießen. Die Runde um die Krumme Lanke verlief im Uhrzeigersinn. Der erste Verpflegungspunkt kam sehr früh und wie gerufen. Abkühlung. Einen halben Becher in den Hals den Rest über den Kopf. Hier bekam ich weitere Motivation durch die Familie. Das half enorm, denn ich wusste immer noch nicht recht wo ich im Feld abgeblieben war. Also versuchte ich so schnell wie möglich auf dem weichen Waldboden in den Rythmus zu kommen. Auf der anderen Seite des Sees warteten noch 2 Anstiege auf uns. Da hieß es Tempo halten und danach die Herzfrequenz wieder in den Griff bekommen. Noch eine Runde, das Ziel in greifbarer Nähe, die Strecke wurde immer voller. Noch hielt ich mein Tempo, sich bei den Temperaturen zu sehr abzuschiessen, wäre nur ungesund. Dennoch wurde ich nach der letzten Brücke immer schneller, zum Glück! Auf dem letzten Anstieg war nochmal beißen angesagt, danach war das Ziel in Sicht und die Tortur vorbei. Der nächste Verfolger ließ nur 17Sek. auf sich warten.

Während ich auf die anderen warte, trank ich den halben Stand leer, aß gefühlt eine ganze Melone und eine Staude Bananen. Der Körper schrie danach. Als die erste Frau ausgerufen wurde staunte ich nicht schlecht das Nadin ins Ziel geflitzt kam. Hatten wir uns vor Kurzem erst darüber unterhalten. Durch ihre Eiswürfel im Schuh hatte sie einen kühlen Kopf bewahrt und das Rennen gewonnen. Glückwunsch!

Und hier kommen wir zur Überschrift:

Diese ist nicht negativ gemeint ;)

Wer hier gewinnt darf nie wieder an diesem Triathlon teilnehmen.  Nadin hat es bei ihrer zweiten Teilnahme geschafft und nun ja, ich bei meiner ersten. Was ein Ding! :)

Auch die anderen trudelten nach und nach von der Hitze gezeichnet ins Ziel.

Aufgrund der Wettervorhersage war für Chrissi schon von vornherein klar, dass es an diesem Tag nicht um neue Bestzeiten, sondern um Spaß gehen wird. Der ließ durch das vergessene Vorderrad und den dadurch sehr stressigen Start allerdings zuerst noch auf sich warten. Die ersten Meter des Schwimmens waren auch noch etwas chaotisch, da wurde man von einer Rückenschwimmerin angerempelt oder von orientierungslos schwimmenden Damen gekreuzt. Nach ein paar Metern konnte sie sich aber etwas absetzen, frei schwimmen und den restlichen Triathlon bei zunehmender Wärme genießen. Insgesamt fand sie diesen Triathlon sehr schön, welcher sich wirklich gut dafür eignet, mal etwas Triathlonluft zu schnuppern. Einfach mal um zu schauen, ob einem der Triathlonsport überhaupt Spaß macht. Auch fand sie es gut, dass aufgrund der Wärme noch ein zweiter Verpflegungspunkt auf der Laufstrecke eingerichtet wurde und man so wirklich alle 1,25 km die Möglichkeit hatte etwas zu trinken. Am Ende wurde es nach diesem entspannten Triathlon sogar noch Platz 20 der Frauen. Im nächsten Jahr können wir ja dann immer noch nach dem Podest Ausschau halten :-)

Für Maudi war es diesmal eine neue Erfahrung, denn sein vorher gestecktes Ziel konnte er nicht erreichen. Unter normalen Umständen wäre das wahrscheinlich möglich gewesen, aber seine Gesundheit zeigt ihm dieses Jahr einige Grenzen auf. Ein Kandidat für das Podium wäre er nicht gewesen, das war ihm vorher schon klar. Aber er konnte seine Zeit von vor zwei Jahren (sein erster Triathlon bei genau dieser Veranstaltung) um sieben Minuten verbessern, daher darf man über seinen 11.Platz wahrlich nicht meckern. Kurz zusammengefasst, beim Schwimmen konnte er sich nicht quälen, auf dem Rad keine Kraft auf die Pedalen bringen und beim Laufen ist er einfach wie ein Calippo dahin geschmolzen. Es bleibt aber die Freude bei jedem Triathlon, und genau das war sein Ziel für dieses Jahr, nicht immer den Bestzeiten hinterher zu jagen, auch wenn das nicht immer ganz gelingt ;-)

Wie oben schon erwähnt, war es für Chris nicht gerade der perfekte Tag. Zuerst die Vorderrad-Misere, dann das Ding mit der Kette, die Windschattenfahrer, und der Schnitt ins eigene Fleisch, ließen ihn mehr trauern als feiern. Was schief gehen konnte ging also schief und am Ende gaben ihm die 32Grad beim Laufen noch den Rest. Statt geplanter 24min wurden es 27min und da er seinen Isodrink vorsorglich der Hitze einfach mal viel zu hoch dosiert hatte, kamen noch Magenkrämpfe hinzu. Aber hey,  immer noch auf Gesamtrang 123. und somit im vorderen Drittel. Nächstes Jahr wird er sich revanchieren!!!

Für Miele war es eine tolle Veranstaltung. Gerade Einsteiger kommen hier auf ihre Kosten sagt sie und können ihren ersten Triathlon genießen! Lediglich an den Verpflegungspunkten hätte sie sich etwas anderes als Wasser, wie z.B. Iso oder auch Schwämme gewünscht.

 

Allgemein ist noch zu sagen, das wir uns Startnummernaufkleber o.ä. für Helm und Rad gewünscht hätten. Man hätte mit einem X-beliebigen Rad aus der Wechselzone spazieren können.

Ansonsten  war es natürlich wieder wunderbar viele bekannte und auch neue Menschen zu treffen. Vor allem Sam die vor Aufregung wie ein aufgedrehtes Eichhörnchen durch die Wechselzone gesprungen ist. Das ist Triathlon! Wir bedanken uns mit einem großen Dankeschön beim tollen Team und Helfer der Weltraumjogger, die immer ein Lächeln auf den Lippen hatten. Wir haben uns sehr wohl gefühlt. Die jenigen von uns, die noch starten dürfen, kommen sicher wieder ;-)

27. Berliner Volkstriathlon Ergebnisse.

Eure Flitzpiepen

2 Kommentare zu 27. Volkstriathlon Berlin – Einmal und nie wieder!

  1. Herzlichen Glückwunsch noch einmal und lieben Dank!

    Was für ein Tag, was für ein rennen, was für eine tolle Überraschung. Wobei das bei dir ja quasi so aussah: los, überholen, gewinnen! Zack. Fertig.

    Super Einstieg übrigens ins Wochenende mit dem Planschen!

    • Avatar Olli sagt:

      Vielen Dank, das planschen war notwendig. Das wir da keinen Sonnenstich bekommen haben ist mir ein Rätsel.

      Bei einer Sprintdistanz geht es nunmal heiß her ;) Wobei in Hamburg auch nicht geflunkert wird. Hoffe das ich den Radschnitt wiederholen kann, wobei der Willi schon viel Schwung gegeben hat…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

Folge uns

Du willst immer sofort das Allerneuste von uns lesen?

Dann schreib hier rein wo wir dir unsere Neuigkeiten hinsenden sollen:

%d Bloggern gefällt das: