Mammutmarsch 2017 – „Dieser Weg wird kein leichter sein“

Veröffentlich am: 21. Juni 2017

In der Kategorie: Laufen

Verfasser(in): Alex Rücker

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Samstag 27. Mai 2017, es ist soweit. Der Mammutmarsch stand unter dem Motto „Ich laufe 100 Kilometer. Und was machst du so am Wochenende“ vor der Tür: Eine Veranstaltung die vor 6 Jahren mit 17 Teilnehmer begann und über die Jahre für hohes Ansehen sorgte.

Mit 2x 35km und 1x 25km Vorbereitungsläufen, 5 geschmierten Eiweißstullen, 6 Powerriegeln, Energiegels, 2 Dosen Red Bull, Salztabletten, Magnesiumtabletten, knapp 3 Litern Wasser, einer langen Hose, 1 langen Shirt, 1 Regenjacke, 1 Paar Socken, 1 Powerbank und Mückenspray im Rucksack, saß ich um 14 Uhr in der Bahn nach Erkner. Unterwegs stieß noch meine Arbeitskollegin Liane hinzu, mit der ich den Marsch bewältigen wollte. Schon in der Bahn war die Vorfreude durch Mitreisende zu erkennen. Auf dem Sportplatz Erkner angekommen, haben wir unser Teilnehmer-Bändchen, T-Shirt und den Streckenplan bekommen. Letzteres hatten wir selten gebraucht. Via Email haben wir die GPS-Daten ca. 10 Tage vor dem Marsch bekommen, die ich einfach in die App „GPX-Viewer“ auf das Handy übertragen habe. In verschiedenen Startblöcken wurden die „Mammuts“ auf die Strecke geschickt.

Um 16:45 war es dann auch bei uns soweit: Wir machen uns bei schönstem „26 Grad Sommerwetter“ auf die Reise und liefen mit der Startgruppe 6 los. Erstmal am Dämeritzsee an beeindruckenden Villen vorbei über die Müggelspree bis hin zum Großen Müggelsee stand zu Begin auf dem Programm. Bei Kilometer 8 lief uns auch Maik über den Weg, ein begeisteter Wanderer und auch zum ersten Mal dabei. Er war allein unterwegs und schloss sich uns an und fortan waren wir zu dritt unterwegs. Das Strandbad am Müggelsee war unser erster Verpflegungspunkt nach lockeren 16km und knapp 3 Stunden marschieren. Dort konnten wir unsere Wasserflaschen auffüllen und unsere Energiespeicher mit Bananen, Müsliriegeln, Salzstangen und Milchbrötchen auffüllen. Das war auch gut so, für die nächsten 28 Kilometer sollte kein weiterer Checkpoint kommen.

Gut gelaunt machten wir uns auf den „Fürstenwalder Damm“ Richtung Rahnsdorf auf den Weg. Von dort aus ging es links ab nach Friedrichshagen.  An den Bahnschienen entlang über sandige Untergrund wurde es langsam dunkel. Einige von uns hatten auf der Strecke Probleme mit hungrigen Mücken und wurden ständig gestochen.
Wir legten am Kurpark bei Kilometer 25km einen Zwischenstopp ein und haben uns auf die Nacht vorbereitet indem wir uns lange Sachen angezogen und die Stirnlampe aufgesetzt haben: Die Glühwürmchen-Party konnte nun starten. Kurz nachdem wir wieder los sind, kam uns der erste Teilnehmer entgegen, der verletzungsbedingt aufgeben musste. Wir hatten nicht vor, dass uns das auch passiert! Wir waren uns immer einig, wann wir unsere Pausen einrichten sollten um uns nochmal zu verpflegen bzw. dehnen. Mit der Nacht kam auch die Trägheit und die Pace war dank Streckenplan auch nicht mehr so schnell. Die Beinmuskulatur war hart und die Socken rieben schon an den Füßen. Zusätzlich stieg auch die Konzentration an, wenn wir auf den Feldern oder im Wald waren. Ständig Ausschau nach Tieren und Hindernissen zu halten, kosteten zusätzliche Energie.

Mittlerweile hatten wir bis Mitternacht knapp 33km zurückgelegt. Immer noch 11 Kilometer bis zum Checkpoint. So langsam meldete sich auch mein Oberkörper. Bei jeder Pause, die wir machten, kühlte mein Körper ab und ich habe zwischenzeitlich gefroren…trotz 17 Grad. Die Stimmung unter uns wurde auch ruhiger. Außer ein Weitergeben der GPS-Daten mit „gleich müssen wir rechts, am Ende wieder links“ oder das Grüßen dere anderen Teilnehmer gab es von uns nicht zu hören. Kommunikation wurde aber anderweitig groß geschrieben: Via Whattsapp und sogar mit einem Anruf um „3 UHR“ in der Früh wurde ständig nach unserem Befinden sich erkundigt. Das hat mich immens motiviert (Danke euch, ihr wart klasse!!!). Nachdem wir Hoppegarten passiert haben, hatten wir bei Kilometer 38 unseren persönlichen Höhepunkt erreicht. Wir ließen das Lied „Dieser Weg“ von Xavier Naidoo laufen, dass erheiterte die Gemüter. Die Aussage „nur noch 8km bis zum Checkpoint“ des nächsten Streckenpostens gab uns sprichwörtlich den „Schlag ins Genick“ und holte uns wieder auf den Boden zurück. Wir hatten eigentlich mit 6km gerechnet. In der Ferne sahen wir nun auch, wie es langsam hell wurde. Mit der Aussage des Streckenpostens angefreundet, machten sich die anfänglichen Schmerzen immer mehr bemerkbar: Bei Liane im Knie, bei Maik in den Beinen und bei mir in den Füßen. Auch mein Oberkörper machte mir durch die Kälte zu schaffen. Ich sehnte mich dem Aufgehen der Sonne und wärmeren Temperaturen. Vorbei an den Häusern in Neuenhagen ging es wieder aufs Feld bis wir um kurz vor 4 Uhr in Bruchmühle eintrudelten und kurz danach am zweiten Verpflegungspunkt nachtanken konnten. Voller Vorfreude wollten wir uns dort auf die Gulaschsuppe stürzen. Zu früh gefreut, die gibt es erst bei Station 3 bei Kilometer 59. Zu der Enttäuschung stiegen auch bei Liane die Schmerzen im Knie, so dass sie auf Ihren Körper hörte und den Marsch an dieser Stelle abbrach. Mit einem organisierten Shuttlebus fuhr sie dann zum nächsten Bahnhof.

Maik und ich wollten unsere Reise fortsetzen und es zum nächsten Stop schaffen. Ich habe es dann auch vorgezogen in trockene Socken zu schlüpfen. Beim Aufstehen hatte ich das Gefühl das Laufen neu zu erlernen. Die Schritte wurden kleiner und schwammig, das Auftreten schwerer und meine Zähne klapperten vor Kälte. Dennoch wollte ich es zu versuchen und wir marschierten langsam weiter. Kurz nachdem wir Bruchmühle verlassen hatten, kamen wir wieder in ein Waldgebiet, jetzt spielte ich auch mit dem Gedanken, dass mein Körper langsam seine Grenzen erreicht und errechnete mir ständig die Entfernungen bis zur nächsten Station. Mittlerweile war es schon wieder hell und wir liefen, unterbrochen von kleineren Breaks, in Strausberg ein. Auf der Karte verlief die Strecke an einem Bahnhof vorbei, wo ich nach 14 Stunden und fast 55 erlaufenen Kilometer meine persönliche Zielflagge erreicht habe.

Dort verabschiedete ich mich von Maik, er raffte sich nochmal auf, lief noch die letzten Kilometer und brach bei 59 Kilometern ab. Auf der Treppe wartend wurde mir noch Kaffee von einem Freund gebracht. Das war Balsam für meine Seele! Im Anschluss schleppte ich mich in die S-Bahn und fuhr zurück nach Hause. Erst da überwältigte mich die Müdigkeit. Ich habe die Fahrt genutzt um die vergangenen Stunden Revue passieren zu lassen und es eventuell im nächsten Jahr nochmal zu versuchen und es besser zu machen. Zumindest bis zur Gulaschsuppe. Aber eins ist sicher: Ich habe mehr als die Hälfte der Distanz erreicht und kann stolz auf meine Leistung sein.
Um es kurz zu fassen: Mir persönlich hat die Veranstaltung gefallen!  Die Atmosphäre ist sehr familiär, man lernt schnell Leute kennen und es macht Spaß, auf diese Weise Natur und Umland kennenzulernen. Man sollte die 100km nicht auf die leichte Schippe nehmen, die haben es knallhart in sich.

Kleiner Tipp von erfahrenen Mitstreitern: Wanderstöcke einpacken, dass erleichtert den Marsch ungemein und strapaziert die Beine weniger. Einziges Manko der Veranstaltung: Es wird eindeutig zu wenig Konfetti geschossen.

2 Kommentare zu Mammutmarsch 2017 – „Dieser Weg wird kein leichter sein“

  1. Konfetti für alle! Mhm? Na auf jeden Fall, wirklich ein echter Marsch. Die Gegend in Brandenburg ist aber auch zu schön. Würde ich nur eben nie gehen… Lieber mit dem Rad oder stückchenweise laufen.

  2. nida78 sagt:

    Schöne Zusammenfassung! Schade, dass du es nicht geschafft hast. Ich brauchte aber auch 3 Versuche, bis ich es in diesem Jahr endlich bis Gusow brachte. Hier meine Zusammenfassung: https://n1da.net/2017/06/05/hitzeschlacht-in-maerkisch-oderland-mein-rueckblick-auf-den-mammutmarsch-2017/

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